Von VMware zu Broadcom: Warum am Mittelstand jetzt Hyper-V und Proxmox kaum vorbeiführen

Aug. 13, 2026 | Allgemein

Seit Broadcom VMware übernommen hat, ist die Virtualisierung für viele Mittelständler vom stillen Selbstverständnis zum Kostenproblem geworden. Wer heute eine Verlängerung auf den Tisch bekommt, sieht dort oft das Drei- bis Fünffache der bisherigen Summe – bei identischer Hardware und identischem Nutzen. Die Frage ist damit nicht mehr, ob man Alternativen prüft, sondern nur noch, welche.

Was Broadcom verändert hat

Kein Kauf mehr, nur noch Abonnement

Die klassischen Dauerlizenzen sind abgeschafft. VMware gibt es ausschließlich im Abo. Wer eine gekaufte Lizenz besitzt, darf sie zwar weiter betreiben – bekommt aber keinen Support und keine Sicherheitsupdates mehr, sobald der Wartungsvertrag ausläuft. Ein Hypervisor ohne Sicherheitsupdates ist im Jahr 2026 keine tragfähige Grundlage.

Bündel statt Einzelprodukte

Aus einem übersichtlichen Baukasten wurden wenige große Pakete. Der Mittelstand zahlt damit für Funktionen mit, die er nie einschalten wird.

Die Mindestabnahme von 72 Kernen

Das ist der Punkt, der kleinere Umgebungen am härtesten trifft. Seit dem 10. April 2025 müssen pro Bestellung mindestens 72 CPU-Kerne lizenziert werden – vorher waren es 16. Ein Server mit acht Kernen wird also für 72 Kerne bezahlt. 56 davon existieren nicht einmal.

Strafgebühr bei verspäteter Verlängerung

Wer den Verlängerungstermin verpasst, zahlt eine Wiederaufnahmegebühr von 20 Prozent der Lizenzkosten des ersten Jahres obendrauf.

Warum der Mittelstand besonders betroffen ist

Ein typischer Mittelständler betreibt zwei bis vier Hosts mit je 8 bis 16 Kernen. Genau diese Größenordnung war früher die Zielgruppe der günstigen VMware-Einstiegspakete – und genau sie fällt heute durch das Raster. Die neuen Bedingungen sind auf Rechenzentren mit dreistelligen Kernzahlen zugeschnitten. In einer kleinen Umgebung zahlt man plötzlich für ein Vielfaches dessen, was man betreibt.

Dazu kommt: Der Verhandlungsspielraum ist praktisch verschwunden. Viele kleinere Systemhäuser haben ihren VMware-Partnerstatus verloren; wo früher ein Ansprechpartner war, steht heute ein Portal.

Die beiden realistischen Alternativen

Microsoft Hyper-V

Hyper-V ist Bestandteil von Windows Server – wer ohnehin Windows-Lizenzen für seine virtuellen Maschinen braucht, hat den Hypervisor faktisch schon bezahlt. Das ist das stärkste Argument.

Passt gut, wenn: Ihre Umgebung ohnehin Windows-lastig ist, Sie Active Directory und Microsoft 365 nutzen und Ihre Administratoren sich in der Microsoft-Welt zu Hause fühlen. Failover-Cluster, Live-Migration und die Anbindung an Azure sind vorhanden und bewährt.

Zu bedenken: Die Verwaltung mehrerer Hosts ist ohne System Center weniger komfortabel als mit vCenter. Und die Lizenzierung von Windows Server will sauber gerechnet sein – Datacenter oder Standard macht bei mehreren VMs pro Host einen erheblichen Unterschied.

Proxmox VE

Proxmox ist quelloffen, basiert auf Debian mit KVM und wird von einem österreichischen Unternehmen entwickelt. Es gibt keine Lizenzkosten, sondern optionale Support-Abos pro CPU-Sockel – in einer typischen Mittelstandsumgebung ein Bruchteil der VMware-Rechnung.

Passt gut, wenn: Sie eine gemischte oder Linux-lastige Umgebung betreiben, Cluster mit gemeinsamem Speicher brauchen und Wert auf Unabhängigkeit von einem einzelnen Konzern legen. Ceph-Storage, Hochverfügbarkeit, Snapshots, integriertes Backup und Replikation sind an Bord.

Zu bedenken: Der Betrieb setzt Linux-Kenntnisse voraus. Wer die im Haus nicht hat, braucht einen Partner, der sie mitbringt – sonst tauscht man Lizenzkosten gegen Betriebsrisiko.

Wie wir die Entscheidung angehen

Es gibt keine Antwort, die für alle stimmt. Wir arbeiten uns an fünf Fragen entlang:

  1. Was betreiben Sie tatsächlich? Anzahl der VMs, Kerne, Speicher, Storage, Netz – und welche VMware-Funktionen wirklich genutzt werden. Erfahrungsgemäß sind es deutlich weniger als lizenziert.
  2. Was kostet Bleiben? Das aktuelle Angebot über drei Jahre gerechnet, nicht nur das erste Jahr.
  3. Welche Software läuft darauf? Manche Branchenanwendung ist nur für bestimmte Plattformen freigegeben. Das klären wir vor der Entscheidung, nicht danach.
  4. Wer betreibt es später? Interne Mannschaft, wir, oder gemeinsam?
  5. Wie sieht der Umzug aus? VMs lassen sich migrieren – aber Backup, Monitoring, Replikation und Notfallkonzept müssen mitwandern.

Der Umstieg ist planbar

Eine Migration von VMware auf Hyper-V oder Proxmox ist Routine, wenn sie vorbereitet ist: Bestandsaufnahme, Zielarchitektur, Testmigration einer unkritischen VM, dann Welle für Welle mit Rückfallebene. In einer mittelständischen Umgebung reden wir typischerweise über einige Wochen Projektzeit – nicht über Monate.

Was Sie dabei nicht tun sollten: die Verlängerung „erst mal ein Jahr“ unterschreiben und das Thema vertagen. Der Preis wird im Folgejahr nicht besser, und die Zeit für einen geordneten Umstieg schrumpft.

Wir begleiten den Wechsel

Als IT-Dienstleister in Schwabach, Nürnberg und Weißenburg planen und betreiben wir beide Plattformen. Wir vergleichen für Sie die tatsächlichen Kosten über drei Jahre, empfehlen die passende Zielplattform und führen die Migration durch – inklusive Backup-, Monitoring- und Notfallkonzept. Mehr dazu auf unserer Seite zu Server- und Cloud-Lösungen.