IT-Lexikon · Sicherheit

RTO und RPO (Recovery Time Objective, Recovery Point Objective)

RTO (Recovery Time Objective) ist die maximal zulässige Ausfallzeit eines Systems, RPO (Recovery Point Objective) der maximal zulässige Datenverlust, gemessen in Zeit. Beide Werte sind unternehmerische Entscheidungen, keine technischen – und bestimmen, wie Backup und Disaster Recovery ausgelegt werden müssen.

Was bedeuten RTO und RPO?

Die Recovery Time Objective (RTO) beantwortet die Frage: Wie lange darf ein System nach einem Ausfall höchstens nicht verfügbar sein, bis der Schaden für das Unternehmen untragbar wird? Vier Stunden für das ERP-System, ein Tag für den Dateiserver, eine Woche für das Archiv – solche Werte sind typisch.

Die Recovery Point Objective (RPO) beantwortet die Frage: Auf welchen Stand dürfen wir im schlimmsten Fall zurückfallen? Ein RPO von 24 Stunden bedeutet, dass die Arbeit eines ganzen Tages verloren gehen darf – also, dass eine tägliche Sicherung ausreicht. Ein RPO von 15 Minuten verlangt eine kontinuierliche Replikation. Beide Werte gemeinsam bestimmen, welche Technik nötig ist und was sie kostet.

Warum sind RTO und RPO für den Mittelstand relevant?

In vielen Unternehmen wurden diese Fragen nie gestellt. Es gibt ein Backup, und man geht davon aus, dass es im Ernstfall „irgendwie“ wieder läuft. Nach einem Serverausfall oder einem Ransomware-Angriff zeigt sich dann: Die Wiederherstellung dauert Tage, weil Hardware fehlt, Reihenfolgen unklar sind und niemand die Zeit je gemessen hat. Der Betrieb steht, Aufträge bleiben liegen, Kunden warten – und die Kosten pro Stunde Stillstand liegen im Mittelstand schnell im vier- bis fünfstelligen Bereich.

Für Geschäftsführer sind RTO und RPO deshalb der Punkt, an dem IT-Sicherheit zur Führungsaufgabe wird: Nur die Geschäftsleitung kann entscheiden, welcher Stillstand tragbar ist und was eine kürzere Wiederherstellung wert ist. Prüfer nach NIS2 und ISO 27001 fragen nach genau diesen Werten, Cyber-Versicherer nach dem Nachweis, dass sie erreichbar sind. Ohne definierte Ziele lässt sich weder ein IT-Notfallplan schreiben noch ein Backup sinnvoll dimensionieren.

Was BES daraus macht

BES Systemhaus erarbeitet RTO und RPO mit Ihnen in einem strukturierten Gespräch – je System, nicht pauschal. Welche Anwendungen tragen den Umsatz? Was kostet eine Stunde ohne ERP, ohne Telefon, ohne E-Mail? Daraus leiten wir die Anforderungen an Sicherung und Wiederanlauf ab und setzen sie in Cloud-Backup und Disaster Recovery um: Sicherungsintervalle nach RPO, und für kurze RTO-Werte der Wiederanlauf kritischer Server in der TERRA Cloud mit zugesicherten Ressourcen – also Rechenleistung, die im Ernstfall reserviert ist und nicht erst gesucht werden muss.

Die festgelegten Werte fließen in den IT-Notfallplan ein und werden durch Wiederherstellungstests überprüft: Nur eine gemessene Wiederanlaufzeit ist eine belastbare. Ergebnisse und Abweichungen dokumentieren wir im Monatsreport unserer Managed IT-Services und passen sie im Quartalsgespräch an.

Häufige Fragen

Welche RTO ist für ein mittelständisches Unternehmen realistisch?

Für kritische Systeme wie ERP, E-Mail und Telefonie sind vier bis acht Stunden mit einem Disaster-Recovery-Konzept in der Cloud erreichbar. Ohne Vorbereitung liegt die tatsächliche Wiederanlaufzeit oft bei mehreren Tagen.

Was ist der Zusammenhang zwischen RPO und Backup-Häufigkeit?

Die RPO gibt vor, wie oft gesichert werden muss. Ein RPO von vier Stunden verlangt mindestens alle vier Stunden eine Sicherung oder Replikation.

Müssen RTO und RPO für alle Systeme gleich sein?

Nein, und sie sollten es auch nicht. Kurze Werte kosten Geld. Sinnvoll ist eine Einteilung in zwei bis drei Klassen – kritisch, wichtig, unkritisch – mit jeweils passenden Zielen.